mini|Logo der IHK Hochrhein-Bodensee mini|Neuer Kammersitz in Konstanz, Reichenaustraße 21 mini|Hauptgeschäftsstelle der IHK Hochrhein-Bodensee in Schopfheim, E.-Fr.-Gottschalk-Weg 1 Die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (kurz auch IHK Hochrhein-Bodensee) ist eine 1828 als Handelskammer Konstanz gegründete Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Konstanz und einer Hauptgeschäftsstelle in Schopfheim. Ihre Aufgabe besteht darin, das Gesamtinteresse der rund 36.000 zugehörigen Gewerbetreibenden und Unternehmen in den Landkreisen Konstanz, Waldshut und Lörrach wahrzunehmen.
Stand November 2024 ist der Gottmadinger Unternehmer Thomas Conrady Präsident der IHK Hochrhein-Bodensee und Katrin Klodt-Bußmann Hauptgeschäftsführerin. mini|IHK-Bildungszentrum Schopfheim
Geschichte
Die Vorläuferin gründete sich am 10. April 1828 als Handelskammer Konstanz. Neben organisatorischen Fragen lagen die Schwerpunkte den Statuten zufolge auf der Lehrlingsausbildung sowie der finanziellen Unterstützung Hilfsbedürftiger. Die zuständige Regierung des Großherzogtums Baden erteilte die notwendige Genehmigung jedoch nicht. Nachdem am 7. Dezember 1838 zum dritten Mal ein Vorstand gewählt worden war, nahm die Kammer – trotz Fehlens der Statuten – ihre eigentliche Arbeit auf. Mitglieder mussten eine abgeschlossene Lehre, praktische Erfahrungen und das Führen von Handelsbüchern nachweisen. Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllte, musste sich einer Sachkundeprüfung unterziehen. Zum ersten Mal führte die Handelskammer im Jahr 1841 solche Prüfungen für den Einzelhandel durch.
1839 setzte sie sich für die Finanzierung des ersten eisernen Dampfboots auf dem Bodensee ein. Darüber hinaus befasste sich die Einrichtung mit Zollfragen. Ein Gutachten zum Zollgebiet erschien im Jahre 1842. Darin empfahl die Kammer, dass der Kreuzlinger Hafen und die Vorstadt zollfrei bleiben sollten, da durch den erfolgten Hafenausbau mit einer Intensivierung des grenzüberschreitenden Verkehrs zu rechnen sei. 1893 engagierte sie sich für die Fortführung der Höllentalbahn. Auch äußerte sie sich zur Trassenführung der Bahnstrecke Stahringen–Friedrichshafen, die 1901 fertiggestellt wurde.
Auf den 18. November 1895 lässt sich die Konstituierung der regionalen Handelskammer datieren. Ihr Wirkungskreis erstreckte sich zunächst auf die größeren Orte der Amtsbezirke Engen, Konstanz, Meßkirch, Pfullendorf, Stockach und Überlingen. Anfang des Jahrs 1896 bezog die Handelskammer Konstanz Büroräume in der Hussenstraße 17. Die vorherigen verschiedenen Umzüge der Kammer lassen sich nur zum Teil rekonstruieren. So ist verbrieft, dass die Kammer bis zum Jahr 1845 im Alten Rathaus am Fischmarkt residierte. Im Jahre 1890 wird ein Büro in der Hussenstraße 39 erwähnt, das über eine Bibliothek verfügte. Im Juli 1892 wurde dieses Büro aufgegeben, denn der neu gewählte Sekretär, der Buchhändler Ernst Ackermann, betrieb in der Kanzleistraße 6 ein offenes Ladengeschäft, in dem nun auch der Geschäftsverkehr der Handelskammer abgewickelt wurde. Am 15. August 1899 verlegte man das Büro in die Talgartenstraße 3. Dort gab es zum ersten Mal auch einen Telefonanschluss. Nach knapp drei Jahren erfolgte ein erneuter Umzug zurück in die Hussenstraße 19.
Im Jahr 1903 begann die Kammer mit dem Bau eines eigenen Gebäudes in der Konstanzer Schützenstraße 8a. Sandstein aus der abgebrochenen mittelalterlichen Stadtmauer wurde dabei verbaut. 1905 wurde das Haus mit einem Festakt eingeweiht. Die gesamten Baukosten betrugen 42.000 Mark. Das Personal bestand aus einem Sekretär und zwei Stenotypistinnen.
Im Ersten Weltkrieg gründete die Kammer eine Darlehenskasse für den Bezirk Konstanz zur Unterstützung von Unternehmen bei der Rohstoffbeschaffung. 1919 setzte sie sich dafür ein, in Konstanz einen Flughafen zu errichten. Während der Deutschen Inflation erhielt die Kammer gemeinsam mit den übrigen vier badischen Schwesterorganisationen das Privileg, ab Mitte November 1923 gemeinsam Notgeld herauszugeben. Die Scheine, die in Umlauf gebracht wurden, umfassten insgesamt einen Wert von 5 Millionen Goldmark. Im Jahr 1924 unterstützte die Handelskammer das Projekt einer Fährverbindung zwischen Konstanz und Meersburg, die dann vier Jahre später eingerichtet wurde. Auch befürwortete sie in den zwanziger Jahren die Errichtung einer Flugverbindung von St. Gallen über Konstanz nach Basel sowie die Elektrifizierung der Schwarzwaldbahn.
Das neue Handelskammergesetz vom 1. Juli 1933 zentralisierte die Funktionen in der Badischen Industrie- und Handelskammer in Karlsruhe. Außenstellen gab es in Mannheim, Freiburg, Pforzheim, Schopfheim und Konstanz. Die Präsidenten wurden vom NS-Regime eingesetzt und die Kammern nach dem Führerprinzip organisiert. Auch nach der Auflösung der Badischen Industrie- und Handelskammer 1935 wurde die Kammer in Konstanz nicht erneut errichtet. 1942 gingen die badischen Kammern in der Gauwirtschaftskammer Oberrhein auf.
Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb die Konstanzer Kammer eine Geschäftsstelle in Villingen. Anfang der 70er Jahre erweiterte die Handelskammer in Konstanz ihr Gebäude in der Schützenstraße um einen Anbau, der zusätzlichen Büroraum bot. In der gleichen Zeit fusionierte im Rahmen der baden-württembergischen Gebietsreform des Jahres 1973 die bis dahin eigenständige Kammer Konstanz mit der Handelskammer Hochrhein. Ihr Bezirk umfasst seither die Landkreise Konstanz, Waldshut und Lörrach. Heute betreut sie mit ihrem Sitz in Konstanz und der Hauptgeschäftsstelle in Schopfheim rund 36.000 Mitgliedsunternehmen. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Schweiz, Frankreich, Liechtenstein und Österreich.
Präsidenten der Handelskammer Konstanz (ab 1973 IHK Hochrhein-Bodensee) 1828–1836 Constantin Beutter 1836–1838 G.D. Ludwig 1838–1857 D.H. Egloff 1857–1863 J. Honegger 1863–1874 F.A. Schroff 1874–1876 Direktor Langenbach 1876–1890 Albert Gradmann 1890–1920 Ludwig Stromeyer 1920–1933 Fritz Gradmann 1933–1934 Fritz Gruner 1935–1939 Josef Jöhle 1940–1945 Wilhelm Mannebach 1946–1949 Franz Rudolf 1949–1970 Hans Constantin Paulssen 1970–1975 Otto Großmann 1975–1981 Fritz Reichle 1981–1989 Hans Gorsler 1989–2001 Dietrich H. Boesken 2001–2014 Kurt Grieshaber seit 2014 Thomas Conrady
Geschäftszahlen Die IHK Hochrhein-Bodensee verfügt über Betriebserträge von 10,3 Millionen Euro (2012), die überwiegend durch Mitgliedsbeiträge, aber auch durch Gebühren und Entgelte für Dienstleistungen entstehen. Der Grundbeitrag liegt zwischen 60 Euro und 16.000 Euro pro Unternehmen (der letztgenannte Grundbeitrag wird allerdings mit dem 200 Euro übersteigenden Betrag auf eine Umlage angerechnet). Betriebe, die nicht im Handelsregister eingetragen sind und weniger als 5.200 Euro Gewinn pro Jahr erzielen, sind vom Beitrag befreit. Darüber hinaus wird für die Mitgliedsunternehmen derzeit eine Umlage von 0,20 % des Gewerbeertrages erhoben.
Geschäftsführeranzahl 1 (Hauptgeschäftsführer) Mitarbeiteranzahl 80, davon 36 in Teilzeit Beitragssumme 6,4 Mio. Euro (2012)
Hebesatz 0,20 % (seit 2012) Bilanzsumme 30,4 Mio. Euro (2012)
Aufbau
Unternehmensvertreter: Rund 36.000 Vollversammlung: 55 Mitglieder (plus 6 Ehrenmitglieder) Präsidium: Präsident + 6 Vizepräsidenten
Vollversammlung
Zu den Hauptaufgaben der Vollversammlung gehören die Festlegung des Wirtschaftsplans und der wirtschaftspolitischen Leitlinien der IHK, die Diskussion und Meinungsbildung in allen die Wirtschaft der Region betreffenden Belangen, die Bildung von Ausschüssen und örtlichen Wirtschaftsgremien sowie die Entscheidung über Änderungen der IHK-Satzung.
Die Vollversammlung ist das höchste Gremium der IHK – durch das demokratisch legitimierte Votum der Vollversammlung gewinnen die Positionen und Forderungen auf kommunaler, regionaler sowie Landes- und Bundesebene besonderes Gewicht. Das Gremium repräsentiert einen Querschnitt aller Branchen und Geschäftszweige der Wirtschaft im Bezirk der IHK Hochrhein-Bodensee. Es wählt aus den eigenen Reihen das Präsidium und den Präsidenten.
Im Herbst 2014 wurde die Vollversammlung mit 55 Mitgliedern von den zu diesem Zeitpunkt rund 36.000 stimmberechtigten Unternehmensvertretern gewählt. Die Vollversammlung und das Präsidium haben sechs Ehrenmitglieder.
Präsidium
Die IHK wird gemeinsam durch den Präsidenten Thomas Conrady und den Hauptgeschäftsführer Claudius Marx (bis 2023) vertreten. Das Präsidium besteht aus dem Präsidenten und den sechs Vizepräsidenten.Präsidium auf ihk.de/konstanz vom 28. August 2022
Hauptgeschäftsführer Die Vollversammlung hat Claudius Marx mit Wirkung vom 1. März 2006 zum Hauptgeschäftsführer bestellt, er wurde 2023 durch Katrin Klodt-Bußmann abgelöst.
Ausschüsse Unter dem Dach der IHK Hochrhein-Bodensee sind zurzeit acht Ausschüsse aktiv. Die Ausschüsse beraten und unterstützen die Vollversammlung der IHK in fachlichen Angelegenheiten. Ihre Mitglieder werden von der Vollversammlung berufen. Es handelt sich dabei um folgende Ausschüsse:
Außenwirtschaft Berufsbildung Finanzen und Steuern Energie und Umwelt Handel Industrie Tourismus Verkehr
Geschäftsfelder Die IHK Hochrhein-Bodensee gliedert ihre Aufgaben in sechs Geschäftsfelder: „Aus- und Weiterbildung“, „Existenzgründung und Unternehmensförderung“, „International“, „Standortpolitik“, „Innovation und Umwelt“ sowie „Recht und Steuern“.
Aus- und Weiterbildung Die Hauptaufgaben des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung liegt in der Sicherstellung von Fach- und Führungskräftenachwuchs. Dies beginnt mit der Eignungsfeststellung für Ausbildungsunternehmen und Ausbilder und reicht bis zur Durchführung der Prüfungen in der Aus- und Weiterbildung. Durch Maßnahmen zur Berufsorientierung, die Förderung der Ausbildungsfähigkeit von Schulabsolventen sowie die Stärkung der Ausbilderkompetenzen durch Weiterbildungsangebote soll der Ausbildungserfolg gesichert werden.
Schwerpunkt des Bereiches Weiterbildung ist die Beratung von Unternehmen und Weiterbildungsinteressierten sowie die Durchführung von Fortbildungsangeboten. Dies sind neben Tagesseminaren und Zertifikatslehrgängen vor allem Vorbereitungslehrgänge auf die öffentlich-rechtlichen Abschlüsse der Fachwirt- und Industriemeisterebene. Die Online-Plattform IHKadhoc unterstützt die Lernenden mit tutoriell begleiteten Inhalten.
Existenzgründung und Unternehmensförderung Der Geschäftsbereich unterstützt bei Fragen zur Existenzgründung und bei der Betriebsübergabe. Betriebe, die expandieren wollen oder die sich in einer Schieflage befinden, werden über Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten informiert. Darüber hinaus werden die Mitgliedsunternehmen durch Beratungen, Veranstaltungen, Merkblätter begleitet.
International Durch die Bereitstellung von Marktinformationen, internationalen Partnerschaften sowie Informationen im Außenwirtschafts- und Zollrecht erleichtert der Bereich International der IHK Hochrhein-Bodensee Unternehmen den Eintritt in ausländische Märkte und dient somit als Unterstützung bei der Markterschließung. Die Ausstellung von Ursprungszeugnissen, Carnets ATA und sonstigen Bescheinigungen für den internationalen Geschäftsverkehr sind weitere Aufgaben. Im Rahmen des deutschen Schwerpunktkammersystems für Länder ist die IHK Wissensträger für die Schweiz. Die Grundlage für den Austausch zu Wachstumsregionen und zu aktuellen Themen mit internationaler Bedeutung wird im Außenwirtschaftsausschuss gelegt. Dieser setzt sich aus repräsentativen Unternehmen mit einem hohen Internationalisierungsgrad zusammen und wird von Wolfgang Lay, Gesellschafter Dr.-Ing. Paul Christiani GmbH & Co. KG, geleitet.
Standortpolitik